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2009
"Den Bürger noch nie so mutig erlebt"
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"Den Bürger noch nie so mutig erlebt" | "Den Bürger noch nie so mutig erlebt" |
![]() Sonneberg, 19.04. 2010, 19 Uhr
„Den Bürger noch nie so mutig erlebt“
Vortrag und Diskussionsforum mit Herrn Reinhard Buthmann
Katholisches Gemeindehaus, Juttastraße 27
„Am 6. August 1989 zeigte der SED-Staat in der Gemeinde Coschütz/Gittersee sein wahres Gesicht. Demonstranten und Passanten wurden aggressiv bedrängt, Gummiknüppel und Wasserwerfer eingesetzt, ein Rollstuhlfahrer lag mit umgekipptem Gefährt auf der Straße. Der Gewalt folgten Festnahmen und Verhöre. Was war geschehen? Kurz zuvor war ein Fürbittgottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche Dresden-Gittersee zu Ende gegangen, auf dem gegen den Bau eines Reinstsiliziumwerkes protestiert worden war.“ Dieses Zitat stammt aus einem Beitrag in der Zeitschrift „Horch und Guck“ von Reinhard Buthmann. Was war damals geschehen? „Ich habe“, so erinnerte sich Pfarrer Wilfried Weißflog später, „den Bürger noch nie so mutig erlebt“. Bereits am 16. Oktober hatten Demonstranten vor dem Dresdner Rathaus skandiert: „Die Kirchen sind zu klein, die Massen gehen nicht rein“. Die Protestbewegung mündete im Oktober 1989 ein in den breiten Strom von Protest und Widerstand in Dresden, ohne an Kontur zu verlieren. Der letzte Fürbittgottesdienst gegen Gittersee fand am 5. November in der Dresdner Kreuzkirche statt, in der sich 5.000 Personen versammelt hatten. 3.000 mussten vor der Kirche ausharren. Die Kirchen waren längst zu klein geworden. Die kleine Paul-Gerhardt-Kirche aber, wo alles begann, wurde zu einem Ort wieder entdeckter Mündigkeit: „Auf, auf! Ihr sollt beginnen,/was euerem Schöpfer wohl gefällt.“
Reinhard Buthmann wirdan die Ereignisse im Lichte des 9. Novembers 1989 erinnern und zeigen, wie der Protest von nur zwei Wissenschaftlern ausging, bald Umweltaktivisten ergriff und binnen zweier Jahre Tausende Bürger in die Kirchen und auf die Straße trieb. Er wird von der unnachgiebigen Haltung der SED für den wahnwitzigen Ort des Werkes, von der repressiven Gangart der Staatssicherheit, vom wunderbaren Einsatz von Christen beider Konfessionen und von mutigen Einzelprotesten erzählen.
Reinhard Buthmann, Jahrgang 1951, Diplom-Ingenieur für Elektrotechnologie, Ingenieur für Technische Optik, Diplom-Betriebswirt, 1975–90 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kosmosforschung der AdW der DDR, Arbeitsschwerpunkt Optoelektronische Systeme für die Fernerkundung der Erde, nebenberufliches Engagement für die Raumfahrt, Sektionsvorsitzender für Geo- und Kosmoswissenschaften der URANIA, Mitglied der Astronautischen Gesellschaft der DDR, 1978 Austritt aus der SED, Engagement im Herbst 1989 für die Oppositionsbewegung Demokratie Jetzt, 1990 Teilnahme am Runden Tisch in Berlin-Marzahn, seit 1993 Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Forschung beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.
Bücher im Ch. Links Verlag: »Kadersicherung im Kombinat VEB Carl Zeiss Jena. Die Staatssicherheit und das Scheitern des Mikroelektronikprogramms«, 1997.
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